Transformationale Führungskräfte verwandeln die Werte, Überzeugungen und Motive ihrer Mitarbeiter und heben sie von einer niedrigeren auf eine höhere Reifestufe. Sie motivieren ihre Mitarbeiter, individuelle Bedürfnisse zu Gunsten höherer, organisationaler Ziele zurückzustellen und ihre Leistung für das Erreichen einer übergeordneten Vision einzusetzen. Durch die Verknüpfung der Arbeitstätigkeit mit einer anstrebenswerten Vision gewinnt die Arbeit an Bedeutung, die Mitarbeiter strengen sich in der Folge mehr an und erreichen so bessere Ergebnisse, als sie selbst ursprünglich erwartet hätten. So inspirieren transformationale Führungskräfte ihre Mitarbeiter zu außergewöhnlichen Leistungen.Dieser Transfonnationsprozess beruht einerseits auf Verhaltensweisen wie Sinnvermittlung, Aufzeigen einer Vision und Einbeziehung bei Problemlösungen, andererseits auf Gefühlen der Bewunderung, des Respekts und der Loyalität gegenüber der Führungskraft, die in ihrer charismatischen Ausstrahlung gründen.
Idealisierter Einfluss
Der Begriff "Charisma" wurde auf Grund der vielfiitigen, auch negativen Assoziationen durch den Begriff "idealisierter Einfluss" ersetzt. Idealisierter Einfluss bedeutet, dass die Führungskraft durch persönliches Vorbild und Authentizität Einfluss auf die Einstellungen und Werte der Mitarbeiter ausübt. Man unterscheidet zwischen attribuiertem idealisierten Einfluss und verhaltensbezogenem idealisierten Einfluss. Bei attribuiertem idealisiertem Einfluss bringen die Mitarbeiter ihrer Führungskraft hohe Bewunderung, Respekt und Vertrauen entgegen. Bei letzterem lebt die Führungskraft die hohen Erwartungen an ihre Mitarbeiter selbst vor und richtet ihr Handeln an werteorientierten Prinzipien aus. Damit übernimmt die Führungskraft eine durch Glaubwürdigkeit und Begeisterung geprägte" Vorbildrolle". Charisma stellt eine notwendige Bedingung transformationaler Führung dar, weil durch die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Führungskraft eine starke emotionale Bindung aufgebaut wird. Charisma alleine zeichnet jedoch keine transformationale Führung aus, sondern muss mit weiteren Komponenten kombiniert werden.
Intellektuelle Stimulierung
Intellektuelle Stimulierung entsteht dadurch, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter zu kreativem und innovativem Denken und Problemlösen anregen. Die Mitarbeiter werden aufgefordert, alte Sichtweisen in Frage zu stellen und Probleme aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Gängige Vorstellungen und Überzeugungen sollen aktiv hinterfragt und geprüft werden. Probleme werden als Herausforderung betrachtet, die dazu da sind, um sie durch neue, unkonventionelle Ideen und Handlungen zu lösen. Dabei toleriert die Führungskraft auch mögliche Fehler, die mit neuen, innovativen Ansätzen einhergehen. Durch intellektuelle Stimulierung soll ein intelligenter und kreativer Umgang mit Problemen gefördert werden bei dem die Mitarbeiter als Spezialisten fik ihr Aufgabengebiet aktiv einbezogen sind. Die Führungskraft übernimmt die Rolle eines stimulierenden und steuernden "partizipativen Problemlösers".
Individuelle Mitarbeiterorientierung
Unter individueller Mitarbeiterorientierung versteht man, dass die Führungskraft ihre Mitarbeiter als individuelle Persönlichkeiten wertschätzt und fördert. Sie sucht den persönlichen Kontakt und nimmt Anteil an den Belangen und der persönlichen Entfaltung und Entwicklung eines jeden Mitarbeiters. Individuelle Mitarbeiterorientierung hat viele verschiedene Erscheinungsformen: Anerkennung und konstruktive Kritik ebenso wie Unterstützung bei der individuellen Weiterentwicklung durch die Zuteilung von Spezialaufgaben oder die Einbeziehung der Mitarbeiter bei Entscheidungen. Wichtig ist die Bereitschaft der Führungskraft, die Rolle eines "Coachs oder Mentors" einzunehmen jeden Mitarbeiter zu unterstützen und zu ermutigen. Individuelle Mitarbeiterorientierung soll die Entwicklung der Mitarbeiterpotenziale fördern, ist jedoch in einem transformationalen Führungsprozess nicht zwingend notwendig.
Transformationale Kompetenzen
Die dargestellten transformationalen Kompetenzen werden von Führungskräften jedoch individuell ganz unterschiedlich umgesetzt, weshalb transformationale Führung genauso direktiv wie partizipativ gelebt werden kann. Dennoch sollten transformationale Führungskräfte bestimmte Merkmale gemein haben. Transformationale Führungskräfte sollten ein hohes Machtrnotiv, großes Selbstvertrauen und eine starke Gewissheit bezüglich der Richtigkeit ihrer moralischen Überzeugungen besitzen, da sie andernfalls auf ihr Umfeld nicht überzeugend wirken können. Ferner sollten sie sich durch persönliche Reife und die Bereitschaft zu unkonventionellem Verhalten auszeichnen, weswegen sie von anderen als Vorbild gesehen werden.
